Enschede – eine Grenzstadt im Wandel

  • Enschede – eine Grenzstadt im Wandel

 von: Franz Thier

Am Dienstag, 16. Juli 2013, trafen sich ca. 40 Interessierte der „Gruppe Treff 55+ – Kultur" in Enschede am Ouden Markt zu einer historische Stadtführung. Arno Spin und ein weiterer Mitarbeiter der „Gidsengilde" führten die Ahauser durch das alte Zentrum der Stadt. Treffpunkt war die Grote Kerk, das älteste Gebäude der Stadt. Die Kirche ist um 1200 entstanden und teilweise aus Baumberger und Bentheimer Sandstein erbaut.

Enschede entwickelte sich im Frühmittelalter aus einer niederdeutschen Siedlung an der Handelsstraße zwischen Deventer und den östlichen Nachbarorten. Der Name Enschede geht wahrscheinlich auf das niederdeutsche „An de Schede" hochdeutsch „an der Scheide" zurück und deutete damit auf die Grenzlage zwischen den beiden Bistümern Utrecht und Münster, aber auch auf das angrenzende Moorgebiet, dem Amtsvenn, hin. Im Jahre 1325 erhielt Enschede offiziell die Stadtrechte durch den Bischof von Utrecht verliehen. Enschede hatte keine Mauern aber ähnlich wie Ahaus eine Sicherung durch Gräben und Wälle. Mit der Loslösung der niederländischen Provinzen vom Deutschen Reich nach dem 30jährigen Krieg entstand in der Nähe dieser Stadt eine neue Grenze. Die Wiedertäufer, die ja in Münster für kurze Zeit regierten, hinterließen auch in Enschede ihre Spuren. Am 7. Mai 1862 wurde Enschede durch einen Großbrand nahezu völlig zerstört und teilte damit das Schicksal von Ahaus, das ein Jahr später ebenso einer Brandkatastrophe zum Opfer fiel. Als eines der wenigen Gebäude blieb die Grote Kerk erhalten. Am „Alten Markt" erinnert vor allem die „Villa van Heek" an die Blütezeit der Textilindustrie, eine Zeit, in der Enschede rund 75 Textilfabriken zählte. Mit dem Niedergang dieser Industrie in den 70ger Jahren des letzten Jahrhunderts begann ein notwendiger Wandel in der Stadt. Nicht zuletzt durch die Gründung der Universität wurde auch die Ansiedlung vieler neuer Betriebe und Industrien begünstigt. Trotz allem ist die Arbeitslosigkeit in dieser Region mit über 10 Prozent doch noch recht hoch.

Der Rundgang führte weiter über den Stadtgraben, zum Musiktheater und zum Rathaus, das 1932 vom Architekten Friedhoff erbaut wurde und das mit seiner etwas eigenwilligen Architektur an skandinavische Gebäude erinnert. Den Schlusspunkt bildete der Besuch der katholischen Jacobuskirche, die mit ihrer Kuppel an eine russisch-orthodoxe Kirche erinnert und recht einzigartig und beeindruckend ist. Anschließend lud der Oude Markt die Besucher auf der größten Terrasse im Osten der Niederlanden zum Verweilen in der Sonne ein mit warmen Kaffee, kühlem Bier und leckerem Essen.

 

 

Billerbeck – die Perle der Baumberge

Die Ahauser Interessengruppe Kultur vom Treff 55 plus vor dem Billerbecker Dom.
Die Ahauser Interessengruppe Kultur vom Treff 55 plus vor dem Billerbecker Dom.

Am Dienstag, den 18. Juni 2013 traf sich die Interessengruppe Kultur vom Treff 55+, um gemeinsam nach Billerbeck zu fahren – der Perle der Baumberge, wie es sich selbst nennt. Das erste Ziel der Besichtigung, den Billerbecker Dom, konnte man schon von Weitem sehen, denn er überragt die Baumberge noch um hundert Meter.

Unter sachkundiger Führung ging es zunächst in den Dom, einem Bauwerk aus Baumberger Sandstein, welcher schon zur Zeit der Hanse von Bildhauern sehr geschätzt wurde und bis nach Lübeck und sogar Riga geliefert wurde. Trotzdem war es den damaligen Bauherren wichtig, dass für den Altar und einige andere Einrichtungsgegenstände der besonders wertvolle Carrara-Marmor verwendet wurde.

"Ich hätte nicht geschätzt, dass die Kirche so jung ist." so eine Teilnehmerin, als sie erfuhr, dass die Kirche erst in den 90-er Jahren des vorletzten Jahrhunderts erbaut wurde. "Ich hätte sie eher in eine Zeit mit dem Kölner Dom eingeordnet."

 

Das Hauptziel der Wallfahrer ist die Kapelle im Südturm, wo nach alter Überlieferung das Sterbehaus Liudgers – so der ursprünglich friesische Name – stand. Hier liegt aber nur eine Reliquie aus dem Fuß des Heiligen. Er selbst – obwohl erster Bischof von Münster – ist nicht dort, sondern auf eigenen Wunsch in seinem Kloster in Essen-Werden beigesetzt worden.

 

Beim anschließenden Rundgang sah man noch das älteste Haus von Billerbeck und einen der bedeutendsten Profanbauten Westfalens. Das Ackerbürgerhaus Beckebans ist im Stil der niederländischen Renaissance mit einer Fassade in Specklagentechnik erbaut worden und beherbergt heute eine Kunstwerkstatt.

 

Beim Weg zur eigentlichen Billerbecker Urpfarrkirche St. Johannes Baptist fiel noch ein Blick auf die Martersäule und das Archidiakonat, den historischen Sitz der ehemaligen kirchlichen Verwaltungseinheit Billerbeck im Bistum Münster. Am Platz der jetzigen Kirche, einer spätromanischen Hallenkirche, hat der heilige Ludger getauft und Messe gefeiert. Sehenswert waren neben den zwei Altären noch der gotische Taufstein und die Doppel-Strahlen-Madonna, die auf Vorder- und Rückseite ein unterschiedliches Bild zeigt.

 

________________________________________________________ 

 

Rundgang durch Legden „Geschichten vom Dahlienvikar"

  • Rundgang durch Legden „Geschichten vom Dahlienvikar"

 

Am Dienstag, 23. April, traf sich eine Gruppe vom „Treff 55+ – Kultur" in Legden, zu einem Ortsrundgang unter Führung von Alfred Janning.

Zu Beginn führte uns Herr Janning zur Vikar-Entrup-Straße, um uns über den Vikar zu erzählen, der den über die Grenzen hinaus bekannten Dahlienkorso ins Leben gerufen hat. 1926 fand der allererste Blumenkorso in Legden statt, mit dem Erlös wurde die Anschaffung des ersten Röntgengeräts im Legdener Krankenhaus ermöglicht. Heute findet dieser Korso alle 3 Jahre statt, demnächst wieder im September 2014.

Der weitere Rundgang führte vorbei am Ludwigplatz, dem Rathausplatz, zur Kirche. Im 11. Jahrhundert wurde vom Bischof in Münster hier die Pfarrkirche mit der irischen Heiligen Brigida als Schutzpatronin gegründet. Rund um die Kirche mit Wehrturm lagen die Spieker der Bauern aus den Bauernschaften. Besonders sehenswert ist in der Kirche das Fenster mit der Darstellung der Wurzel Jesse, wahrscheinlich aus dem Jahr 1235. Herr Janning erläuterte u.a. das Strohkreuz, Wahrzeichen der Schutzpatronin, und berichtete vom Fund einer mumifizierten Hand bei Umbauarbeiten an der Kirche.

Der weitere Rundgang führte durch den Dorfkern mit seinen sehenswerten alten Häusern und heutigen Baudenkmälern aus dem 17. Jahrhundert. Zum Schluss konnten die Besucher einen Blick in das Haus Wessling werfen, einer Begegnungsstätte für Vereine und Gruppen in Legden, das auch für Trauungen zur Verfügung steht.

Für alle Beteiligten war dies ein interessanter und informativer Vormittag.

 

_______________________________________________________________

 

Besichtigung der Zwillbrocker Barockkirche

Foto: Klaus Buschmeier
Foto: Klaus Buschmeier
Foto: Klaus Buschmeier
Foto: Klaus Buschmeier

Am Dienstag, 26. März 2013, traf sich die Interessengruppe Kultur vom "Treff 55+" vor der Zwillbrocker Barockkirche, die 11 km von Vreden und gerade einmal 100 Meter von der niederländischen Grenze in einem auch heute noch dünn besiedelten Gebiet liegt. Unter Führung von Bruder Hubert Müller, einem gebürtigen Ahauser, wurde den Teilnehmern der geschichtliche Hintergrund und die kulturhistorische Bedeutung des ehemaligen Klosters näher gebracht:

Im Westfälischen Frieden wurde den sich überwiegend zum Calvinismus bekennenden Niederlanden die Selbständigkeit zugesprochen. Bei der Ziehung der politischen Grenze wurde dabei wenig Rücksicht genommen auf die vielen katholischen Gemeinden in Twente und im Achterhoek, die zum Bistum Münster gehörten.

Zwar hatte der Fürstbischof von Münster Christoph Bernhard von Galen zweimal versucht, die katholischen Orte für Kaiser und Reich und damit auch für Münster zurückzuerobern, sich aber jedes Mal eine blutige Nase geholt. Nicht zuletzt durch diese Tatsache wurden die Katholiken in den Niederlanden unterdrückt, so dass sie die Heilige Messe heimlich oder diesseits der Grenze unter freiem Himmel feiern mussten.

Mit Unterstützung des Bischofs von Münster und der Äbtissin von Vreden wurde in den 1650er Jahren ein Kloster und eine Kirche aus Stein errichtet, die von ihrem äußeren bescheidenen Erscheinungsbild nicht auf die prachtvolle Barockausstattung schließen lässt.

Die wechselvolle Geschichte führte unter der französischen Herrschaft zur Zeit Napoleons zur Auflösung des Klosters, die Kirche jedoch blieb bestehen. Aber auch sie wurde im 19. Jahrhundert ein Opfer des Zeitgeistes. Die barocke Ausstattung konnte zwar wegen Geldmangels nicht ersetzt werden, wurde aber mit brauner Farbe überstrichen.

"Glücklicherweise", so Bruder Hubert Müller, "haben die damaligen Maler nicht so gewissenhaft gearbeitet und man konnte unter der braunen Farbe immer noch Reste der Originalfarbe finden und so der Barockausstattung mit viel Aufwand und hohen Kosten ihr originales Erscheinungsbild zurückgeben."

Zum Schluss zeigte er noch Pläne für die weitere äußere Gestaltung, die die Kirche in eine für die Barockzeit typische Umgebung stellen soll. All dieses soll mit Mitteln des deutsch-niederländischen Freundeskreises der Barockkirche, mit Unterstützung von regionalen Institutionen und mit mehr als dreißig geistlichen Benefizkonzerten pro Jahr durchgeführt werden.

Klaus Buschmeier

Link: www.barockkirche.de

von: Franz Thier

Die Geschichte Zwillbrocks führt uns in die Zeit der Reformation und Gegenreformation zurück. Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts hatte sich in den Niederlanden der Calvinismus als staatstragendes Bekenntnis durchgesetzt, während sich im Münsterland die katholische Kirche behaupten konnte. Um die Katholiken jenseits der Grenze, besonders diejenigen, die zum Sprengel des Bischofs von Münster zählten, seelsorglich zu betreuen, entstand längst der Grenze von Bocholt bis nach Gronau eine Kette von sog. Missions-stationen. Mit Unterstützung des Bischofs von Münster, Christoph Bernhard von Galen, und der Vredener Äbtissin, Maria Sophia von Salm-Reifferscheid ( 1645-1674), die Grund und Boden zur Verfügung stellte, entstand um 1652 eine aus Stein errichtete Kapelle, die bereits 1656 erweitert werden musste und eine Wohnung für die Patres.

1748 hat dann die Klosteranlage jenes Aussehen erlangt, wie es auf einer zeitgenössischen Karte des Grenzgebietes wiedergegeben ist. In den Jahren 1765 bis 1782 wurde der rechte Flügel - parallel zur Kirche - erneuert und wesentlich vergrößert.

_______________________________________________________________

Mit dem Nachtwächter durch Ahaus

Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier

Nach der Winterpause laden abwechselnd die Nachtwächter Hermann Volmer und Franz Thier wieder zum Stadtrundgang durch Ahaus ein.

Es waren gefährliche Zeiten und keine leichte Aufgabe, die der Nachtwächter in Ahaus zu bewältigen hatte, denn neben dem üblichen Gesindel bedrohten im Mittelalter  Krieg, Feuer und Pest die bischöfliche Residenzstadt.  Da brauchte es schon einen hartgesottenen Mann, der eine Ahnung hatte von Tuten und Blasen und der die Stadt des Nachts sicher bewachen konnte.

Über all diese Dinge und noch vieles über verschiedene historische Ereignisse und Personen aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit informiert der Nachtwächter seine Gäste an verschiedenen Stellen der Stadt.

Der erste Rundgang beginnt am Freitag, 1. März 2013, um 19 Uhr vor dem Mahner an der Marienkirche.  Als weitere Termine sind vorgesehen Freitag der 22. März um 19 Uhr sowie dann nach Beginn der Sommerzeit der 5. und 19. April, der 3. und 17. Mai  jeweils um 20.00 Uhr.

Eine Anmeldung für diese öffentlichen Führungen ist nicht erforderlich.

Das Entgeld (2,50 Euro) ist für karitative Zwecke bestimmt.

 

_______________________________________________________________

 

Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier

Besuch des Imkereimuseums in Gescher

 

Am Mittwochmorgen, 20. Februar, besuchte die Gruppe „Treff 55 plus – Kultur“ aus Ahaus das Imkereimuseum in Gescher. Der Imker Klaus Kreyelkamp begrüßte die Teilnehmer und führte mit informativen Erzählungen durch die reichhaltige Sammlung. Dabei erfuhren die Besucher sowohl Interessantes über den Heiligen Ambrosius, Schutzpatron der Imker, wie auch einiges über die Wildbienen, wie sie ihren Honig produzieren und vor anderen Tieren, z.B. Specht, Luchs und Bär sowie vor dem Zugriff des Menschen zu schützen suchen. Manche haben dabei auch schmerzhafte Erfahrungen gemacht – richtige Imker wohl weniger. Im Mittelalter war das Sammeln von Honig wilder oder halbwilder Bienenvölker sogar ein Beruf, der von sogenannten Zeidlern ausgeübt wurde. An Hand von vielen auch historischen Sammler-stücken brachte Herr Kreyelkamp den Teilnehmern auf launige und zugleich fesselnde Art viel Wissenswertes über Bienen, Bienenhaltung, Geräte zur Honiggewinnung und Bienenzucht nahe.  Dabei konnten die Besucher direkt drei Bienenvölker hinter Glas mit mehr als 40.000 aktiven Museumsbienen beobachten und etwas über die Arbeitsweise der Imker in Vergangenheit und Gegenwart erfahren. Die Gruppe erfuhr nebenbei auch einiges über Propolis, ein Stoff, der das Bienenvolk gegen  Bakterien und Bienen schützt, über Blütenpollen, Bienenwachs und das alte Handwerk der Bienenkorbflechterei.

Im letzten Raum präsentierte das Museum eine umfangreiche Sammlung von Bernsteineinschlüssen mit Bienen, Wespen und anderen Insekten. Die vor 50 Millionen Jahren entstandenen Einschlüsse sind einzigartige Zeugnisse der Erdgeschichte.

Für alle Beteiligten verging die Zeit wie im Fluge dank einer Führung durch Klaus Kreyelkamp, der mit Herz, Hand und Verstand Imker ist.

Viele Teilnehmer konnten es dann auch nicht lassen, von der süßesten Sache der Welt etwas mit nach Hause zu nehmen.

 

 

Rundgang durch Stadtlohn

Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier

Am Mittwoch, 24.Oktober, traf sich eine Gruppe vom „Treff 55+ – Kultur" in Stadtlohn, unter Führung von Bernhard Uepping, der u.a. auch als Nacht-wächter aktiv ist, zu einem Stadtrundgang.

An Hand der Figuren am Brunnen vor der St. Otger Kirche erläuterte Herr Uepping wesentliche Stationen der geschichtlichen Entwicklung des Ortes.

Mit Beginn der Christianisierung durch Ludgerus, dem ersten Bischof von Münster, und St. Otger, der auch der ersten Pfarrkirche um 800 n. Chr. den Namen gab, entwickelte sich um die Burg der Herren von Lohn eine Siedlung, die 1389 erstmalig urkundlich als Stadtlohn erwähnt wurde.

1611 verwüstete ein Großbrand die Stadt. Nur ca. 10 Häuser blieben bestehen. 1623 fand dann im 30jährigen Krieg die Schlacht im Lohner Bruch zwischen dem Kaiserlichen Tilly und dem Herzog von Braunschweig statt, der hier unterlag. Die Schlacht kostete damals innerhalb von 5 Stunden fast 11000 Menschen das Leben.

Eine besondere Position nahm seit dem späten Mittelalter das Töpfer- und Leinenhandwerk ein.

1945 wurde dann Stadtlohn, die „Festung Veronika" , durch Bombenangriffe fast völlig zerstört.

Herr Uepping erzählte auf launige und fesselnde Art mit interessanten Geschichten die Entwicklung der Pfarrkirche und vom Wiederaufbau nach der Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg. Faszinierend war beim Besuch in der  Pfarrkirche die Besichtigung der sakralen Schätze in der Krypta, die zeitweise verschollen gewesen waren.

Im Rathaus zog dann das neue Diorama von der Schlacht im Lohner Bruch die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich.

Anschließend berichtete Herrr Uepping u.a. auch über die Zeit des Nationalsozialismus und die Drangsalierung und das Schicksal der jüdischen Mitbürger. Nach einem Rundgang durch die ehemalige Altstadt, vorbei an den ehemaligen drei Stadttoren, endete die Führung wieder am Ausgangspunkt an der St Otger Kirche.

Für alle Beteiligten war dies ein interessanter und informativer Vormittag.

______________________________________________________________

Stadtführung durch Horstmar

Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier
Foto: Franz Thier

Am Mittwoch, 18. Juli, trafen sich über 30 Teilnehmer der Gruppe „Treff 55+ – Kultur" in Horstmar. Herr Heinz Herdt führte die Gruppe zunächst zum historischen Alten Rathaus von 1571, ein auf dem Untergeschoss aus Bruchsteinmauerwerk aufgesetzter, vorkragender Ziegelbau, der zentral der Kirche vorgelagert ist und früher für manchen Autofahrer als ein ärgerliches Hindernis für die Ortsdurchfahrt nach Münster in Erinnerung sein dürfte.

Hier erzählte Heinz Herdt zunächst Grundsätzliches zur Geschichte der Stadt Horstmar:

- Errichtung der Burg um 800 n. Chr. von fränkischen Adeligen

- unter den Herren von Horstmar ragte der Kreuzritter Bernhard der Gute heraus

- 1269 gelangte die Herrschaft Horstmar und die Burg durch Zwangsverkauf an den Bischof zu Münster

- die Burg wurde bis ins 16. Jahrhundert ein Lieblingssitz der Bischöfe von Münster

- im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg 1635 zerstört

- 1802 wurde Horstmar preußisch

- seit 1969 wurde der Ortsteil Leer mit Horstmar zu einer Gemeinde fusioniert

Es folgte die Besichtigung der St. Gertrudis-Kirche (Anfang des 14. Jahrhunderts) und ein Gang durch den historischen Kern der Stadt, der fast quadratisch ist und von acht Burgmannshöfen umgeben war, von denen noch fünf, Münsterhof, Merveldter Hof, Borchorster Hof, Valkhof und Sendenhof erhalten sind. Herr Herdt führte die Gruppe mit informativen und launigen Erzählungen durch die Ringstrassen der Altstadt zu den Burgmannshöfen, die mehrfach umgebaut wurden, die ältesten gehen in ihrer heutigen Gestalt auf das 16. Jahrhundert zurück. Alle Höfe wurden inzwischen renoviert, sind heute in einem guten Zustand und werden überwiegend privat genutzt. Besonders interessant war die Besichtigung des Borchorster Hofes, der als Pfarrzentrum von der St. Gertrudis Gemeinde genutzt wird.

Der Rundgang endete mit einem herzlichen Dank an Heinz Herdt, der gekonnt, kurzweilig und mit Engagement viele interessante Informationen an die Teilnehmer brachte.

_______________________________________________________________

„Augen-Blicke" Fotoausstellung von Hermann Roth


Mehr als 30 Teilnehmer der Gruppe „Treff 55+ – Kultur" trafen sich am Mittwoch, 27. Juni 2012, um 10 Uhr in der Villa van Delden zur Führung durch die Fotoausstellung „Augen-Blicke" von Hermann Roth. Leider war Herr Roth kurzfristig erkrankt, so dass die Führung durch Mitglieder des Heimatvereins Ahaus vertreten wurde. Helmut Wilp, Franz- Josef Weuthen, Franz und Maria Thier gaben Erläuterungen zur Ausstellung, zum Werdegang des Fotografen und auch zur Entstehungsgeschichte mancher Aufnahmen.

Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von der einzigartigen Portraitsammlung, den Fotos von Ahaus aus den 50ger bis 80ger Jahren, den Reiseaufnahmen und besonders auch von den großformatige Naturaufnahmen.

_________________________________________________________________

Rundgang durch Nienburg

Rundgang durch Nienburg

  

Am Mittwoch, 18. April, trafen sich ca. 30 Teilnehmer der Gruppe „Treff 55+ – Kultur" in Nienborg. Herr Lütke Wissing vom Heimatverein führte die Gruppe durch den Ort, der seit 1969 zur Gemeinde Heek gehört und erläuterte jeweils an einigen historischen Bauwerken auch die Geschichte des Ortes. Die Gründung von Nienborg beruhte auf die Errichtung der Landesburg um 1198 durch den Fürstbischof Hermann II. Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes erfolgte 1308.

Die Landesburg wurde als Ringburg mit ursprünglich 40 Burgmännern besetzt und war zur Aufrechterhaltung der Besitzansprüche des Fürstbischofs von Münster gegen die benachbarten mehr oder weniger selbständigen Herrschaften sowie gegen das Stift Utrecht gerichtet.

Herr Lütke Wissing führte die Gruppe mit informativen Erzählungen durch die zum Teil restaurierten Burgmannshöfe. Nach der Säkularisierung im 19. Jahrhundert befand sich unter preußischer Herrschaft im Hohen Haus zeitweise der Kreissitz und auch die Wohnung des Landrates Theodor von Heyden. Die Teilnehmer bekamen dann Einblick in das neu eingerichtete „Ringburg Cafe" im Kellergewölbe. Das „Lange Haus" – auch Amtshaus genannt – diente zeitweise als Verwaltung. Heute sind viele dieser mittelalterlichen Gebäude mit in die Nutzung durch die Landesmusikakademie (seit 1989) einbezogen. Der Rundgang führte weiter zum Heimathaus, an der Keppelborg und am historischen Burgtor vorbei zum Neubau der Landesmusikakademie.

Abschließend erzählte Herr Wissing auf launige Art die Geschichte vom „Wilden Bernd", einem Nienborger Original, der die Stadt vor einem räuberischen Überfall bewahrte.

_______________________________________________________________

Stadtführung zur jüdischen Geschichte in Ahaus

Stadtführung zur jüdischen Geschichte in Ahaus

Cohen, Gumpert, Schlösser, Löwenstein, Gottschalk, etc. sind Namen, die auf der „Gedenkstätte für jüdische Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung“ stehen. Namen von Ahauser Juden, die mit unsäglichem Leid verbunden sind. Schade, dass die Gedenkstätte in einer so versteckten Ecke des Sümmermannplatzes steht.

Die Historikerin Ingeborg Höting vermittelte in eindrucksvoller Weise den ca. 20 Zuhörern mit Daten, Fakten und recherchierten Familiengeschichten Wissen über die furchtbare NS-Zeit.

Das Schloss, die Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Münster, führte die ersten Juden nach Ahaus, die hier ihre Verwaltungsangelegenheiten erledigten. Juden mussten ihr Aufenthaltsrecht, ihr "Geleit", beim jeweiligen Landesherrn immer neu erkaufen. 1656 ließen sich die ersten beiden Juden in Ahaus nieder, der erste namentlich bekannte Jude hieß Benedikt. Er hatte dem Fürstbischof eine Jahressteuer von 300 Reichsmark zu entrichten. Nur ganz langsam wuchs die Zahl der Juden in Ahaus an.

Es ist belegt, dass 1808 auf einem 14 qm großen Grundstück die erste Synagoge in Ahaus bestand, und zwar im Bereich des Domhofs. Sie wurde jedoch 1863 beim großen Stadtbrand von Ahaus völlig zerstört. Die jüdische Gemeinde kaufte dann 1864 ein deutlich größeres Grundstück an der Marktstraße und baute darauf eine neue Synagoge, die 1867 eingeweiht wurde.

Im Jahre 1890 zählte die Stadt Ahaus 93 Juden, was einem Bevölkerungsanteil von 4 Prozent entspricht. Damit war der Höchststand erreicht; in der Folgezeit nahm die jüdische Bevölkerungszahl schon wieder ab. Die jüdischen Familien in Ahaus bestritten ihren Lebensunterhalt als Viehhändler und Metzger, hatten Manufaktur- und Weißwarengeschäfte sowie ein Hutgeschäft. Es gab außerdem die Ledergroßhandlung von Alfred Löwenstein (Ulmenstraße, heute van-Delden-Straße) und das Kaufhaus von Hugo Löwenstein an der Bahnhofstraße.


Die Juden hatten ihren beruflichen Schwerpunkt im Handelsbereich, was noch als eine Spätfolge des verwehrten Zugangs zu den Zünften im Mittelalter anzusehen ist. Erste Akademiker innerhalb der Ahauser jüdischen Familien gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Else Löwenstein erwarb den Doktortitel in Chemie; zwei Söhne aus der Familie Schlösser studierten Medizin. Der älteste Sohn Dr. Leo Schlösser meldete sich als Kriegsfreiwilliger zum Ersten Weltkrieg und fiel. Sein jüngerer Bruder Dr. Max Schlösser erhielt unter den Nationalsozialisten Berufsverbot, musste aber später die Deportation nach Riga als Transportarzt begleiten; er wurde dann selbst dort ermordet.

1934 zündeten Ahauser Schüler des Gymnasiums Coesfeld eine Sprengladung in der Synagoge. Die Niederländische Zeitung „Tubantia“ sprach von einem Bombenanschlag, während die gelenkte deutsche Presse von einem „Dummen-Jungen-Streich“ schrieb.

Im Ersten Weltkrieg haben sich die Ahauser Juden sehr stark engagiert, das zeigen die Gedenktafeln für die Opfer des Weltkriegs am Georgsbrunnen. Sieben Ahauser Juden fielen im Krieg, darunter alle vier Söhne der Familie Schlösser. Die Namen dieser jüdischen Gefallenen standen ganz selbstverständlich gemeinsam mit den Namen der anderen Ahauser Soldaten auf einer Tafel. Das lässt auf Integration und gutes Zusammenleben schließen.

Unter dem NS-Regime aber wurden die Juden systematisch ausgegrenzt, entrechtet und verfolgt. In der Progromnacht 1938 zertrümmerte man die Fensterscheiben ihrer Geschäfte und es begann eine große Plünderung. In die Synagoge am Rathaus wurde ein Brandsatz geworfen; sie brannte ganz ab.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Ermordung der Juden organisiert. Im Dezember 1941 deportierte man 22 Juden aus Ahaus nach Riga in Lettland und setzte sie der Vernichtung durch Arbeit aus. Die bis dahin im Ghetto Riga lebenden lettischen Juden wurden in die Wälder getrieben und umgebracht. Die neu ankommenden deutschen Juden wurden in deren Unterkünfte eingewiesen. Es herrschten drangvolle Enge und Hunger.

Die Nationalsozialisten richteten Arbeitskommandos ein, um die Arbeitskraft der Verfolgten auszubeuten. Frauen nähten und reparierten beispielsweise Uniformen der Wehrmachtssoldaten, Männer waren meist in Außenkommandos für schwere körperliche Arbeiten eingesetzt. Höting berichtet, dass der damalige Landrat Felix Sümmermann im Winter 1941/42 im Militärdienst ebenfalls in Riga war, wo er den Fuhrpark des Heeres zu organisieren hatte und somit Gelegenheit gehabt haben wird, Verfolgten aus seiner Heimat zu begegnen.

Insgesamt sind mindestens 61 Juden aus Ahaus durch die nationalsozialistische Verfolgung zu Tode gekommen; nur einzelne überlebten durch Flucht. In Ahaus erinnern 56 Stolpersteine an das Schicksal der verfolgten einheimischen Juden.

Den Abschluss des Rundgangs durch Ahaus bildete der Besuch auf dem Jüdischen Friedhof aus dem Jahre 1820. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahre 1844 und wurde für Aser Gumpert gesetzt. Die Gräber wurden in Reihen angelegt und sind nach traditionellem jüdischen Brauch ohne Blumenschmuck. Sie genießen ewiges Ruherecht und dürfen nach jüdischem Glauben nicht angetastet werden.

Der Friedhof steht seit 1986 unter Denkmalschutz. Der jüngste Grabstein wurde für Gertrud Cohen gesetzt, die 1937 starb. Zwei weitere Bestattungen sind danach noch belegt, jedoch erhielten Jakob Müller (gestorben 1940) und Theresia Minkel (gestorben 1941) keine Grabsteine mehr, da es keine Angehörigen mehr in Ahaus gab.


Mein Dank gilt Ingeborg Höting für ihre Präzisierung in Bezug auf Daten und Fakten. Ebenso danke ich Franz und Maria Thier, die als Veranstalter der Gruppe Kukltur/Treff 55+ zu diesem höchst interessanten und wissenswerten Rundgang eingeladen haben. ml


www.senioren-ahaus.de
www.handfest@ahaus.de

_______________________________________________________________